Morgan Jeans und Zweierlei

Jeans nähen. Die Hürde schlechthin. Man traut sich nicht. Ging mir ja auch so. Jetzt hab ich eine Morgan Jeans genäht. Geht doch.

Jeansnähen im Allgemeinen und Besonderen

Nunja. Ich gebe zu, es war nicht meine erste. Das war im letzten Herbst eine Ginger, auch von Closet Case Patterns, auf die ich sehr, sehr stolz war. Aber auch die hat geklappt. Ohne Schreikrämpfe, ohne Heulerei und die Maschine hab ich dabei auch nicht geschrottet. Anpassungen an jener crotch curve hab ich gemacht. Derer hat es ungefähr 5 gebraucht, dann saß sie. Dann kam wider Erwarten Freude am Laufen. Und dann saß sie leider nicht mehr. Deshalb auch nie verbloggt, denn das wollt Ihr nicht sehen.

Doch zurück zur Morgan Jeans.

Die mag ich viel mehr als die Ginger. Trotz der Falten unterm Hintern. Ist ja doch etwas weiter, die Boyfriend. Die darf das.

An der Morgan Jeans habe ich 0 – in Worten: null – Änderungen vorgenommen. Auf den Bildern hab ich sie schon mehr als 24 Stunden inklusive viiieeel Sitzen getragen. Der schöne Jeansstoff ist übrigens ganz ohne Elasthan, näht und trägt sich phantastisch und stammt von manomama. Diese und andere Stoffe (für ihre Kollektionen) produziert manomama übrigens selbst in Augsburg, ökosozial quasi. Komplett ohne Einsatz von Chemie und nachhaltig – beginnend bei der partnerschaftlichen und fairen Zusammenarbeit mit den Partnern und dem Team bis hin zur Beständigkeit der Stoffe. Da kann sich selbst so mancher zertifizierter Biostoff noch eine Scheibe abschneiden…

Die Farbe ist ein undefinierbares aber heiß geliebtes Graublau, auf dem sich die senfgelben Steppnähte 1A absetzen.

Ich seh grad, dass ich es doch wieder geschafft habe, neben dem Münzfach eine Falte zu fabrizieren. Tzzz.

Bevor ich hier gleich weiter schwärme – natürlich hatte auch diese Jeans DIE EINE tückische Stelle. Ich sag nur:

Knopfleistendebakel.

Meine Nähmaschine mag seit einem unseeligen Zusammentreffen keine Knöpfe mehr. Ob sie die nötigen Knopflöcher mögen würde, wagte ich nicht auszutesten. Die Morgan Jeans hat aber 4 Knöpfe – sie kommt also ohne den von vielen gefürchteten Reißverschluss (dessen Einnähen dank der Anleitung beim Ginger sewalong pillepalle ist) aus. Aber mir ist doch erst kürzlich wieder so ein tolles, handgenähtes Knopfloch bei Instagram begegnet… Kann ich auch.

Ich konnte es auch nach dem dritten Knopfloch nicht. Für den Einsatz in der Jeans wären sie völlig ausreichend gewesen. Für meinen ästhetischen Anspruch nicht. Die bunten Garne taten ihr Übriges. Also Faden vorgelegt und manuell mit der Maschine und super engem Zickzack umnäht. Extra in Grau.

Ich muss nicht erklären, welches Exemplar ich mit der Hand genäht habe. Den Fauxpas, der sich mir beim längeren Betrachten beider Teile im Nachgang offenbarte, habe ich dann auf Instagram geteilt. Frust. Ich wollte schon ein drittes Mal die Nadel schwingen. Da sagte der kleine Engel auf meiner rechten Schulter, es sei gut. Auch wenn dann diese schöne, saubere Seite nach unten statt nach oben zeigt, „liegen“ doch die Knöpfe darauf und darauf liegt nochmal eine Lage Stoff. Sieht keiner. Dem Teufelchen auf der anderen Seite habe ich dann fix einen Gin Tonic gemacht. Es hat sich darauf eingelassen und ich hab erst eben wieder überhaupt daran gedacht. Passt.

Liest hier noch wer mit? Es kommt ja noch was.

Das Zweierlei

Denn wenn ich schonmal den Blog befühle und das auch noch mit einer Morgan Jeans, müssen sich dazu auch ein paar (ein Paar) der im letzten Jahr genähten Oberteile gesellen. Im Herbst war es ein Pulli aus der fashionstyle (wenn mir die Ausgabe wieder einfällt, trage ich sie nach), zu dem auch ein Gürtel gehört. Den habe ich mit viel Fluchen genäht und nie dazu getragen.

Der Stoff ist ein Wollgemisch mit viel Poly aus dem örtlichen Stoffladen in einem schönen kalten, Schokoton. Er trägt sich toll und ich mag den Schnitt (der eigentlich für Jersey gedacht ist) wirklich gern. Ist doch auch eine coole Kombi, oder?

Und da’s bei uns heut richtig schön werden soll, muss hier auch noch die Oden Cami von True Bias vortanzen. Dem Schnitt schmachte ich seit Erscheinen auf Instagram hinterher, dünne Tops gab es in meinem Kleiderschrank gleich null und im Stofflager schlummerte noch ein flutschiger Blumendschungel. Das schrie geradezu nach sofortiger Umsetzung.

„Sofortig“ war dann bei mir 3 Wochen oder so. Weil Zeitmangel und Superflutschestoff. Tagtäglich schimpfen, weil ich wieder die Bügelstärke vergessen hatte zu holen. Irgendwann hatte ich sie dann und hab dann ein Brett verarbeitet. Naja. Jetzt übertreib ich etwas. Papier war’s aber.

Jetzt ist die Oden Cami aber einfach nur noch schön. Und flatterig. Luftig. Und seidig. Wie gesagt: schön. Davon dürfen für den nächsten Sommer noch mehr bei mir einziehen.

Für die superdünnen Träger habe ich mir natürlich noch das passende Wendewerkzeug besorgt und war sehr, sehr dankbar dafür…

So. Ich glaub, jetzt hab ich’s.

Halt. Bevor ich’s vergesse: Würdet Ihr die Morgan Jeans noch etwas kürzen und vielleicht nach unten hin noch etwas schmaler machen?

Jetzt wünsch ich Euch erst einmal einen traumschönen sonnigen Herbst-Mittwoch. Ich schnappe mir nun meinen heiß geliebten Kaffee und lümmel mich noch kurz in meiner Morgan Jeans auf’s Sofa, um beim heutigen Me Made Mittwoch neue Inspirationen zu sammeln, bevor ich in die Arbeit starte. Nina’s Version vom Wear Lemonade Kleid Greta wird wohl als erstes auf der To-Do-Liste landen ;)

Gruezlie,
Frieda

12 Kommentare

  1. Ja die Morgan sitzt wirklich toll bei dir. Vielleicht gebe ich dem Schnitt noch eine zweite Chance.
    Die Knopfleiste finde ich eh besser als einen RV.
    Super!!!
    LG Sybille

    • Danke, Sybille! Mach das auf jeden Fall! Der Stretchanteil einer Ginger „zaubert“ Passformmakel halt eher weg – das geht ja bei der Morgan nicht. Ansonsten vielleicht mal direkt an den Schnittteilen messen und mit einer gut sitzenden Kaufjeans abgleichen? Was hat denn bei Dir nicht hingehauen? LG, Frieda

  2. Toll, toll, toll! Die Jeans ist wirklich klasse geworden. Die Steppnähte sehen auch sehr sauber und akurat aus. Ich muss wohl wirklich mal meine Angst vor Hosen überwinden und eine Jeans nähen.

    Ich würde das Hosenbein so lassen und nicht schmaler machen. Die Boyfriendhose soll ja eher locker fallen.

    LG
    Steffi

    • Freut mich riesig, dass die Hose gefällt, Steffi! Die akuraten Nähte haben mich viel Geduld gekostet, da sie mit Obertransportfuß gemacht sind – das dauert immer ewig, da man nicht so schnell nähen darf ;-)
      Probier mal die Morgan, die ist wirklich toll zu nähen! LG, Frieda

  3. Perfekt so wie sie ist! Wow ganz großes Kino ist Deine Jeans, einfach klasse. Jeansstoff ohne Elastan gefällt mir auch am besten, da weiss man was man näht und kann die passform besser einschätzen als bei Elastanstoffen, die je nach Beschaffenheit mehr nachgeben oder weniger. Beide Oberteile sind klasse zu der Hose, wobei jetzt im Herbst sicher der Pulli gewinnt. überhaupt sehr schön, wieder etwas von Dir zu lesen. LG Kuestensocke

    • Danke für die Lorbeeren, liebe Küstensocke! Du weißt ja, Gelegenheitsbloggerin und so 😊
      Ich fand das Nähen mit dem reinen Denim auch viel angenehmer. Liegt aber sicherlich auch an der sehr hohen Qualität des Stoffes. Ich ärgere mich bereits gewaltig, dass ich nicht mehrere Jeanspakete gekauft hab damals. Was die Oberteile angeht, darf bei mir bestimmt auch die Odgen Cami noch ab und an ran. Mit einem einfarbigen Blazer oder einem kleinen Jäckchen kommt sie mir und meinen Hitzewellen sehr entgegen ;-) Liebe Grüße, Frieda

  4. WOW! Toll, Deine Morgan.
    Hach ja, um das Ogden schleiche ich auch schon ewig rum. Nächstes Jahr dann…
    Deins ist wunderschön geworden!
    Liebe Grüße,
    Sandra
    p.s.: die Jeans würd ich genau so lassen…

  5. Hammerteile bekommt man hier heute wieder um die Ohren gehauen! Mensch deine Jeans sieht aus wie gekauft… dieses Projekt schwebt mir auch noch vor, ein bisschen muss es noch warten. Ich fühle mich sehr inspiriert, Dankeschön! Lg Sarah

    • Das freut mich doch sehr, liebe Sarah! Dankeschön und finde ich auch, habe heut wieder viele toll umgesetzte Schnitte für mich entdeckt. Wenn die verflixte Haben-Will-Liste nur nicht immer länger würde… LG, Frieda

    • Hihi. Ja, unbedingt, Jenny! Ich trage sie total gern – sie ist bequem und schaut dabei noch gut aus. Was will man mehr? Liebe Grüße, Frieda

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.