Warum ich manchmal gern eine Katze wäre oder „Achtet auf Euch!“

Hallo Ihr Lieben!

Diesen Post schiebe ich nun seit fast einem Jahr vor mir her. Es wird ihn nicht jeder lesen (wollen) und das ist auch okay so.

Eigentlich wollte ich alles sofort loswerden, als mir letztes Jahr die Diagnose Hitzewellen bis in den Kopf geschossen hat und anschliessend von dieser grossen, schweren nebulösen Leere abgelöst wurde. Und der Angst. Davor, es den Lieben beizubringen. Vor allem, was da kommt. Davor, meiner Motte vielleicht nicht beim Grosswerden zusehen zu können.

Ich wollte sofort einen Aufruf starten an alle Frauen, die ich kenne. Damit ihr mehr auf Euch achtet. Wir sind keine Katzen (auch wenn ich manchmal wirklich gern mit einer tauschen würde), wir haben keine sieben Leben. Wir haben nur eines und das nehmen wir viel zu oft als selbstverständlich hin.
Dann hab ich’s doch nicht gemacht. Weil ich niemanden mit meiner Geschichte belasten wollte. Weil ich kein Mitleid wollte und keine „mit Homöopathie geht alles“-Empfehlungen und weil ich ebenso wenig von negativen Erfahrungen lesen wollte. Heute beim Frühstück war schlagartig der Gedanke da, dass es jetzt sein MUSS. Und so sei es.

Was ich hier nun rüberbringen möchte – und Ihr könnt auch nach diesem Absatz aufhören zu lesen, denn letztlich ist dieser Aufruf dass, worum es mir geht: bitte achtet mehr auf Euch! Nehmt alle angebotenen ärztlichen Vorsorgetermine wahr! Sie können nicht vor allem bewahren, aber sie helfen, frühzeitig zu erkennen, wenn was nicht passt. Und dann sind die Chancen einfach oft viel besser.
Versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Ernährt Euch gesund (das geht auch lecker ;-). Haltet Stress auf einem möglichst niedrigen Level – kein Job der Welt ist es wert, dass er die oberste Priorität in Eurem Leben einnimmt (dies ist aber auch kein Plädoyer für Faulheit…)!
Geniesst das Leben und lernt es mehr schätzen. Ihr habt nur eins.

So.

Merken! Umsetzen! Leben!

LoveTheHereAndNow

Ich persönlich habe genau das Gegenteil von dem, was ich da oben predige, gemacht. Ich habe manchmal bis in die Nacht hinein gearbeitet, geraucht, zu wenig getrunken, Obst und Gemüse haben sich eher selten auf meinen Teller verirrt. Und ich war ein hochgradiger Schlamper, was Arztbesuche angeht. Solange es mir gut ging und ich keine Probleme hatte, konnte ja auch nix sein. Vogel-Strauss-Taktik at it’s best.

Letzten Herbst musste der Kopf aus dem Sand. Ich hatte diverse „kleine Probleme“, die zusammen nach „grosses Problem!!!“ schrieen. Nach Symptom-Recherche im Netz habe ich heulend (und mit extrem schlechtem Gewissen, da die Frauenärztin mich Jahre nicht gesehen hat) einen kurzfristigen Termin am nächsten Tag gemacht. Dort wurde mir mitgeteilt, dass das Gewebe nicht gut aussieht, dass auch scheinbar ein Myom vorhanden ist, aber das bekommen wir bestimmt alles in den Griff. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, dass ich hochgradig erleichtert raus bin aus der Praxis (und wieder der Strauss). 14 Tage später, Gatte und Kind waren grad in Berlin, kam die Info, dass ich dringend kommen müsste, die Laborergebnisse seien da.

Ergebnis war PAP IV b. Die Erklärungen zu diesem Ergebnisses sind irgendwie an mir vorbei gerauscht, aber „Krebs“ ist hängengeblieben. Wir haben sofort einen Termin zur Konisation (da wird ein größerer Kegel aus dem Gebärmutterhals geschnitten und anschließend im Labor untersucht) gemacht. Die war rund eine Woche später, am 15.10.2013 und dabei haben sie mir einen rund 1,8 cm grossen Tumor mit rausgeschnitten. Ein Plattenepithelkarzinom. Sollte in meinem Alter eigentlich gar nicht vorkommen.
Da der Tumor auch noch G3-Stadium hatte (1 bis 4 gibt es), musste alles raus. Wertheim-OP nennt sich sowas und ist die umfangreichste OP auf diesem Gebiet (es gibt auch eine andere Methode, wie ich inzwischen weiß). Ich hatte die Wahl zwischen der Uniklinik in DD (meine FA hat abgeraten und irgendwie wollte ich da auch nicht hin) und der Klinik in Sebnitz, deren Chefarzt auf der Gyn diese OP’s schon seit den 80ern macht und entsprechend sehr viel Erfahrung hat.

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich da runter gefahren bin. Am 28.11. hatte ich dann auf jeden Fall die OP. Meine FA meinte noch, ich solle mich nicht so schnell wieder entlassen lassen. Die würden das heut teilweise schon nach drei Tagen machen (keine Ahnung, wie sie darauf gekommen ist – ich war 3 Wochen drin).

Auf dem Weg zur OP (ich war gleich als erste morgens dran) hab ich Rotz und Wasser geheult. Eigentlich keine Kinder mehr bekommen wollen ist halt doch etwas anderes, als definitiv keine mehr bekommen zu können.

Die Ärzte waren sehr zufrieden mit der OP und ich einfach nur gottfroh, dass alles raus war.
Die Laborergebnisse (es wurden 28 Lymphknoten mit entfernt) kamen dann am 02.12. und da hab ich wieder Rotz und Wasser geheult. Diesmal aber vor Erleichterung. Es wurde nicht eine Metastase gefunden!!! YEAH! Das war mindestens Geburtstag, Weihnachten und Ostern für ein ganzes Leben! So hab ich nun quasi immer zweimal kurz hintereinander Geburtstag ;-)

Die Strahlenchemo, die ich im Anschluss machen sollte, habe ich leider nicht durchgehalten. Schuld gebe ich hier den blöden Lymphzysten, die sich gegen Ende des KH-Aufenthaltes gebildet haben und die einfach immer fetter geworden sind. Dank den fetten Teilen konnte ich weder groß gehen, noch sitzen oder stehen. Und immer liegen ist ja auch nicht gut. Und dabei wollte ich alles machen, was meine Chancen erhöht, egal wie anstrengend es ist. Meine Onkologin hat mir dann zum Abbruch geraten. Zum einen, da alles eh präventiv war, da ja nichts gezielt bestrahlt werden konnte (war ja alles raus) und zum anderen, weil die Strahlenchemo dann möglicher Weise mehr schadet als nutzt und ich echt nur noch ein saft- und kraftloser Haufen war. Dafür hat sie mich aber mit dem Diakonissen-Krankenhaus in Dresden verknüpft und eine Woche später lag ich wieder unter dem Messer. Die angeblich nur eine übrig gebliebene Lymphzyste, die bei meinem letzten Besuch in Sebnitz attestiert wurde, hatte sich nämlich als 2 fette Zysten + ein ordentlich großes Hämatom entpuppt. Kein Wunder, dass es mir so kacke ging. Nach einer Woche KH durfte ich wieder nach Hause und es ging steil bergauf. Ich konnte bald wieder etwas länger sitzen, längere Strecken laufen und und und.

Mittlerweile hab ich eine Reha hinter mir, bei der sie mich ordentlich fit gemacht haben und bekomme regelmäßig Lymphdrainagen. Schwimmen ist auch wie eine Lymphdrainage und tut echt gut.
Das Leben ist fast wieder wie vor der Diagnose, abgesehen davon, dass ich in einigen Dingen wie eine alte Frau bin (Ich „roste“ schnell ein, wenn ich mal längere Zeit in einer Position verbringe.), ich einfach intensiver lebe und meine obigen Punkte selbst beachte. Die Nerven in meinen Beinen haben sich scheinbar alle wiedergefunden und die Narbe ist gut verheilt. Der Kopf büchst ab und an mal aus – darauf hab ich einfach keinen Einfluss, das überfällt mich aus dem nichts – und spinnt Horrorgeschichten. Aber das gehört wohl dazu. Und damit kann ich leben. Hey! Ich lebe!!! Hätte auch anders enden können…

Bei der Anschluss-Reha und auf Facebook habe ich viele tolle Frauen kennengelernt, die zum Teil sogar wesentlich jünger sind als ich und bereits gegen Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs oder Scheidenkrebs kämpfen müssen. Auch junge Männer mit Krebs begegnen einem im Netz immer wieder. Alle haben eines gemeinsam: einen unglaublichen Lebenswillen, eine sehr offene Art und eine bewundernswert positive Ausstrahlung.

Nächste Woche habe ich wieder eine der vierteljährlichen Kontrollen – da geht einem immer kurzfristig der Arsch auf Grundeis. Aber ich bin guter Dinge und der sch… Krebs kann mich mal. Den mag ich nur noch auf einem Teller, lecker in Butter gedünstet, bitte.

Passt auf Euch auf und genießt das Leben!

LifeWhispersListenClosely

Liebes Gruezlie,
Frieda

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